Karlsbad – Karlovy Vary
Warum in die Ferne schweifen, wenn das gute doch so nah. Wer in stilvollem Ambiente Kuren oder Wellness genießen will, kommt um Karlsbad (tsch.: Karlovy Vary) nicht herum
– nur eine gute halbe Stunde von der deutschen Grenze entfernt ein Kurort mit Jahrhunderte alter Tradition. Hier haben es sich schon, Zaren, Könige, Fürsten, Dichter und Denker gut gehen lassen, Heilwasser gesüffelt und gekurt.

Heilwasserquellen
In und um Karlsbad liegen um die 80 Heilquellen; für Trinkkuren benutzt werden allerdings deutlich weniger (laut Wikepedia 12, laut der Karlsbader Tourismus Seite 16). Wie dem auch sei, die Quellen sprudeln überall in Karlsbad aus öffentlichen Zapfhähnen. Stilvoll getrunken wird es aus Schnabeltassen, die es in allen möglichen Formen und Farben an jeder Ecke in den Souvenirläden zu kaufen gibt. Gefühlt läuft jeder 3-4 in der Stadt mit so einer Tasse in der Hand herum.
Die Quellen haben eine Temperatur bis zu 70 Grad und die unterschiedlichsten mineralischen Zusammensetzungen, die je nach Quelle gegen alle möglichen Krankheiten helfen sollen.So man denn genügend lange und konsequent davon trinkt. Bei einer medizinischen Kur wird vorher vom Arzt bestimmt welche Quelle die geeignete gegen die Beschwerden ist.
Wir waren nur zum Spaß hier und ich habe meine Wasserverkostung nach der 2. Quelle abgebrochen. Ich kann nur sagen, wenn gute Medizin bitter oder gruselig schmecken muss, dann hilft das Wasser auf jeden Fall. Da ich aber auch nur Tee freiwillig erst ab einen Körpertemperatur von mehr als 39 Grad trinke, ist das nichts für mich.

Kur und Wellness
Neben dem Wasser gibt es in den vielen Hotels jede Art von Kur und Wellness Angeboten. Obwohl Tschechien kein Hochpreisland ist, kann man hier schon einiges an Geld lassen. Es wimmelt von 4-5 Sterne Hotel, die vorzugsweise von Deutschen und Russen besucht werden. Die Liebe der Russen zu Karlsbad hat Zar Peter der Große im Jahr 1712 begründet, als er zweimal in der Stadt zum Kuren war. Es ist auch wohl das Geld der Russen, das für den Erhalt bzw. Sanierung der vielen wunderschönen Jugendstilhäuser verantwortlich ist. Entsprechend fallen auch die Geschäfte an Kurpromenade aus, eine Aneinanderreihung von Designer und Juweliergeschäften.
Spuren der Vergangenheit
Wer die Augen offen hält findet überall Spuren von prominenten Personen der Geschichte, u.a. von Johann Wolfgang von Goethe. Insgesamt 13 mal hat er sich zwischen 1785 und 1821 in Karlsbad aufgehalten, bevor es ihn dann der Liebe wegen nach Marienbad zog. Von Goethe soll der Satz stammen, es gäbe nur 3 Orte an denen er Leben möchte; seine Heimatstadt Weimar, Rom und Karlsbad.
Publikum
Wie schon gesagt wird Karlsbad hauptsächlich von Russen und Deutschen besucht. Karlsbad ist aber international, insbesondere zum jährlichen Filmfestival, dass sich primär an interessierte junge Menschen wendet und die Stadt dann von Rucksackträgern geflutet wird. Im Mai ist es da noch ruhiger. Allerdings scheint Karlsbad aber auch eine Station asiatischer ‚Europa in 3 Wochen‘ Anbieter zu sein. Regelmäßig nach dem Frühstück müssen irgendwo Busse Heerscharen von Asiaten ausspucken, die dann Rudel bildend und fotografierend durch die Stadt ziehen. Ab 17:00 ist der Spuk dann wieder vorbei.
Die Kurpromenade bzw Flaniermeile
Rechts und links der Tepla erstreckt sich die Kurpromenade mit vielen Hotels, Geschäften, Souvenirläden sowie den Kolonnaden, in denen die Heilquellen sprudeln. Es gibt 5 Kolonnaden, von denen insbesondere die Mühlbrunnen-, Markt- und Gartenkolonnade sehr sehenswert sind. Unbedingt besichtigen sollte man auch die Kirche St. Maria Magdalena und die russich-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul. Und natürlich das Grand Hotel Pupp. Wer James Bond Fan ist, dem ist das Hotel aus dem Film Casino Royal bekannt. Und dann sollte man sich einfach der Schönheit der Jugendstilhäuser und Parks hingeben und die Seele baumeln lassen.
Bausünden
In der Vergangenheit wurde Karlsbad immer wieder von Hochwasserkatastrophen des Flüsschens Tepla heimgesucht. Also hat man den Fluss in ein Betonkorsett geschnürt. Das Ganze hat den Charme eines besseren Abwasserkanals eines Chemieunternehmens und steht im krassen Gegensatz zu den wunderschönen Jugendstilhäusern. Es bleibt nur zu hoffen, dass den Stadtplanern da noch mal eine bessere Lösung einfällt. Karlsbad hätte es wirklich verdient.
Zusätzlich hat man am Anfang der Promenade noch einen Hotelbetonbunker hingestellt. Dort gibt es zwar auch hervorragende Kur- und Wellness Angebote, aber ansonsten sollte man den Mantel des Schweigens darüber legen bzw. versuchen im Kopf einfach auszublenden.
Umgebung.
Wer vom Flanieren genug hat, dem bieten sich in der Umgebung 130Km Wanderwege an. Ein Ausflug zum Aussichtsturm Diana ist auf jeden fall lohnenswert. Vom Turm hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Es gibt dort ebenfalls ein Ausflugslokal und ein Schmetterlingshaus (Eintritt 90 Kr). Ich habs mir angeschaut, kann man machen muss man aber nicht.
Wer mag kann hoch laufen (Vorsicht recht steil) oder aber gemütlich mit der Zahnradbahn hochfahren. Die Talstation befindet sich gleich rechts neben dem Grand Hotel Pupp. Die einfache Fahrt kostet 60 Kronen, hoch und runter 90 Kronen. Ich empfehle die einfache Fahrt und dann durch den Wald hinabzulaufen. Dabei nicht direkt wieder nach unten gehen, sondern den Weg über den Hirschsprung (Jeleni Skok) wählen. Hier gibt es ebenfalls ein Ausflugslokal und auch einen weitere wunderschöne Aussichtspunkte auf die Stadt. Von dort wählt man dann den direkten Weg zurück zur Kurpromenade oder den etwas weiteren an der anderen Seite des Berges hinab zur Kirche Peter und Paul.
Weitere Ausflüge bieten sich an zur Burg Loket oder eine entspannte Wanderung zum Hans Heiling Felsen (Svatošské skály); daneben Fahrradtouren durch das Tal der Eger, Kanutouren auf der Eger und vieles mehr.
Unser Hotel.
Wir hatten 3 Nächte im Spa Hotel Dvorak gebucht. Das Hotel liegt direkt an der Flaniermeile und erstreckt sich ab dem 1 Obergeschoss über 6 Gebäude. Wir hatten ein De Luxe Zimmer gebucht und das Zimmer hat eindeutig gehalten, was es versprochen hat. Absolut nichts zu meckern. Unser Zimmer lag in der 3.ten Etage mit Blick zur Flaniermeile. Da wir gerne bei offenen Fenster schlafen, hatten wir erst Angst, dass es Nachts laut sein könnte. Aber zumindest im Mai werden ab 22:00 die Bürgersteigen hochgeklappt und wir haben auch herrlich entspannt geschlafen. Leider konnte das Frühstück nicht ganz mit der Qualität des Zimmers mithalten. Nicht das es schlecht war, aber da sollte für ein 4 Sterne Hotel vom Umfang und Angebot her doch noch etwas mehr gehen. Das Zimmer hat circa 112€ pro Nacht gekostet. Darin enthalten sind Frühstück, ein Spa und Accomodation Tax sowie Parken (circa 15€). Je nach Saison dürfte der Preis allerdings erheblich variieren.
Essen
Ich hege keinen Zweifel daran, dass man in Karlsbad gegen entsprechendes Geld hervorragend Essen kann. Wir haben versucht im Gebiet der Flaniermeile günstig zu Essen. Und es hat uns schon etwas an der tschechischen Küche zweifeln lassen. Überzeugt hat es uns das Essen weder im Restaurant U Křížovníků noch im U Švejka. Die Ehre der tschechischen Küche hat dann allerdings ein Restaurant in Marienbad mehr als wieder hergestellt.
Am dritten Abend haben wir die Pizzeria Petr besucht. Die Pizza war wirklich hervorragend. Allerdings die Bedienung etwas übereifrig. Muss wohl Langeweile gehabt haben, da außer uns im Restaurant nur 2 weitere Tische belegt waren. Ist schon komisch wenn einem quasi noch vor dem letzten Bissen, der Teller unter der Gabel weggenommen wird. Außerdem mag ich es nicht, wenn man 10% Servicegebühr automatisch auf die Rechnung aufschlägt. Also bitte genau hinschauen, nicht das man noch Trinkgeld auf Trinkgeld bezahlt.
Zusammenfassung
Anschließend lässt sich sagen, dass Karlsbad auf jeden Fall eine Reise wert ist, insbesondere wo es nur einen Katzensprung von der deutschen Grenze entfernt liegt.
Weitere Bilder aus Karlsbad findet ihr in der Europa Fotogalerie.
